Broad Peak 2011

Der Achttausender Broad Peak (Lat/Lon: 35.81600°N / 76.56200°E), der zwölfthöchste Berg der Erde, liegt inmitten der „Leuchtenden Berge“, der sechs höchsten Berggipfel des Karakorum- Gebirges in Pakistan. Der Broad Peak besitzt drei voneinander getrennte Gipfel: Der Hauptgipfel, 8051 m, der Zentralgipfel 8016 m, und der Nordgipfel 7550 m. Der Anmarsch über den mehr als hundert Kilometer langen Eisstrom des Baltoro-Gletschers, auch als Karakorum-Mega-Treck bekannt, ist an sich schon eine Reise wert. Ziel der Expedition vom 11. Juni bis 28. Juli 2011 ist es, auf der gebräuchlichen Normalroute über den Westgrat und die Westflanke auf den 8047 m hohen Hauptgipfel zu gelangen. Dabei möchte Luis Stitzinger versuchen, eine vollständige Skibefahrung des Berges zu meistern, eine Extremabfahrt mit langen Steilhängen und Neigungen von über 55 Grad Steilheit in den schwierigsten Passagen.

Galerie

Historie
Der ursprünglich von dem Briten Lieutenant T.G. Montgomerie 1856 entdeckte und vermessene Berg ging zunächst unter der Bezeichnung „K 3“ in die erste Karte ein. Erst der ebenfalls aus Großbritannien stammende Forscher W.M. Conway prägte 1892 den Begriff „Broad Peak“ für den Berg, den er mit dem Schweizer Breithorn verglich und für das mehr als 2 Km breite Gipfelmassiv als passend empfand. Da ein eingeständiger Name für den Berg in den lokalen Dialekten nicht zu finden war, wurde der Name später ins Balti als „P’alchan Kangri“ übersetzt. Auf 8,047 m (26,400 feet) wurde der Hauptgipfel im Jahre 1926 von dem Briten Mason vermessen, der Italiener Spoleto präzisierte die Höhe 1929 auf 8,051 m (26,414 feet).

Schließlich erkundete auch Günter Oscar Dyrenfurth, der Leiter der legendären Internationalen Himalaja Expedition (IHE) von 1934, das Gebiet um Gasherbrum I und die West- und Südseite des Broad Peak und erkannte die Möglichkeit einer Route auf den Broad Peak über den von ihm so benannten „West Sporn“. Den ersten ernsthaften Versuch auf dieser Route unternahm im Jahre 1954 Karl-Maria Herrligkoffer. Herrligkoffer war ein Halbbruder von Willy Merkl, der die beiden deutschen Nanga Parbat Expeditionen von 1932 und 1934 leitete. Nach mehreren kleinen Unfällen und angesichts des herannahenden Winters entschied Herrligkoffer schließlich die Expedition abzubrechen, nachdem zwei Expeditionsmitglieder die 7200 m-Marke erreicht hatten. Einer kleinen österreichischen Mannschaft gelang 1957 endlich die Erstbesteigung nahezu im Alpinstil: Hermann Buhl, Fritz Wintersteller, Kurt Diemberger und Markus Schmuck langten ohne Hochträger und mit wenig Fixseil am 9. Juni 1957 am höchsten Punkt des Berges an. Eine für damalige Verhältnisse sensationelle Leistung, wobei sie von den Vorarbeiten der 1954-er Expedition profitierten. Um 17 Uhr erreichten Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller den Gipfel. Etwa eine halbe Stunde später kam Kurt Diemberger nach. Auf dem Rückweg traf Diemberger in der Nähe des Vorgipfels Hermann Buhl, der zunächst aufgegeben hatte. Diemberger kehrte spontan um und stieg zusammen mit Hermann Buhl ein zweites Mal zum Gipfel, den sie bei Sonnenuntergang erreichten. Beim nachfolgenden Versuch der Erstbesteigung der Chogolisa 7668 m, verunglückte Buhl bei einem Wechtenabbruch tödlich.

1975 erst wurde der 8016 m hohe Zentralgipfel von einer polnischen Expedition ersterstiegen (Marek Kesicki, Bohdan Nowaczyk, Kazimierz Glazek, Janusz Kulis und Andrzej Sikorski), im Jahre 1983 der 7550 m hohe Nordgipfel von einer italienischen Expedition unter Leitung von Renato Casarotto. Die schnellste verbriefte Begehungszeit des Berges gelang 1984 dem polnischen Bergsteiger Krzysztof Wielicki. Er verließ das Basislager auf 4850 m um Mitternacht, erreichte C1 um 4.00 Uhr, C2 um 8.00 Uhr, den Sattel um 14.00 Uhr und den Hauptgipfel um 16.00 Uhr. Den Aufstieg von 3150 Hm in weniger als 14 Stunden zurückzulegen, war gerade zu damaliger Zeit eine unglaubliche Leistung. Er schloss die Begehung mit seiner Rückkehr in nur 22 Stunden ins Basislager ab. 1994 durchstieg der Mexikaner Carlos Carsolio im Alleingang die Westwand und erreichte am 9.7. den Gipfel. 2005 durchstiegen die Kasachen Denis Urubko und S. Samoilow vom 19. bis 25.7. die Südwestwand im Alpinstil. 2009 versuchten die beiden Münchner Speed-Bergsteiger Benedikt Böhm und Sebastian Haag den Rekord Wielicki´s zu brechen. Schlechte Verhältnisse, tiefer Schnee und kalte Temperaturen machten Ihnen das Leben schwer, dennoch erreichten sie nach 16 Stunden Aufstieg den Vorgipfel, 8027 m, entschieden sich dort aber aufgrund zu weit fortgeschrittener Zeit und einer schlechten Wetterprognose für einen Abbruch und stiegen nach insgesamt 39 Stunden zurück ins Basislager ab.
Die Erstbesteigung des Broad Peak

Route
Der Konkordiaplatz, Vereinigungspunkt von Baltoro- und Godwin- Austen- Gletscher, Schauplatz von K2 (8611 m), Gasherbrum IV (7925 m) und Chogolisa (7665 m), liegt direkt zu Füßen des Broad Peak (8051 m). Vom Basislageraus (4900 m) aus überquert man ein Stück weit den mächtigen Godwin-Austen-Gletscher und steigt dann in die Westflanke des Berges ein. Zum ersten Hochlager (C1, 6050 m) muss konsequent mit Steilheiten von 40-45 Grad gerechnet werden, ein Großteil der Route muss mit Fixseilen versichert werden. Ein mit Felsgendarmen durchsetzter Schneegrat vermittelt den Weiterweg zum zweiten Hochlager (C2, 6900 m), das sich oberhalb einer 200 m hohen Schneeflanke befindet. Auch auf dieser Strecke muss einiges an Fixseil verlegt werden, um absturzgefährdete Passagen zu sichern.

Zum Hochlager 3 (C3, 7300 m) legt sich das Gelände nach einem Felsriegel immer weiter zurück und die letzten vierhundert Höhenmeter führen über einen breiten Gletscherrücken bis zum Lagerplatz. Auf der Gipfeletappe wird zunächst eine große Gletschersenke über weitläufige Hänge gewonnen. Die von dort in die Einsattelung (7850 m) zwischen Haupt- und Zentralgipfel hinaufführende, breite Schneerinne steilt sich in ihrem Verlauf weiter auf (durchschnittlich 40 Grad, bis max. 55 Grad Steilheit). Von der Einsattelung folgt man dem teils ausgesetzten und felsigen Grat (bis III nach UIAA) zum Vorgipfel (8035 m). Von dort ist es noch ca. eine gute Stunde ohne großen Höhengewinn oder Schwierigkeiten bis der Hauptgipfel (8051 m) endlich erreicht ist.

Ablauf
Trekking
broadpeak
Von Islamabad fliegt man nach Skardu (2300m), dem Verwaltungszentrum des Baltoro-Gebiets. Dort wird ein eintägiger Halt eingelegt, Wanderungen und Besichtigungen rund um die interessante Hauptstadt Baltistans unternommen. Nun geht es mit Geländewägen weiter durch das Shigar Tal nach Dasu. Bei guten Verhältnissen kann durch die Braldu-Schlucht weiter bis Askole (3050 m), gefahren werden. Führt der Fluss allerdings Hochwasser, ist bereits bei Thongal (2885 m) Schluss und es muss von hier ab zu Fuß weitergegangen werden.


Etappe nach Jola 3050 m
Hier beginnt das insgesamt sechstägige Trekking zum Basislager. Am Braldu-Fluss entlang gelangt man weiter über Jola (3050 m) nach Paiju (3400 m), der letzten grünen Oase vor Betreten des Baltoro-Gletschers. Nach einem Ruhe- und Organisationstag für die Träger, geht es auf die teils beschwerliche Reise über den gigantischen Gletscherstrom. Die einmalige Gletscherszenerie und der Ausblick auf die Berge der Umgebung, wie die Trango Türme oder den Muztagh Tower, entschädigt aber mehr als für die Anstrengungen.


Die Trango-Gruppe
In Urdokas (4050m) und Gore II (4250 m) stehen die weiteren Nachtlager. Während sich Urdokas noch wie eine wahre Oase in der Hochgebirgswüste ausnimmt, liegt Gore II inmitten von grobem Geröll und Eistürmen auf dem schuttbedeckten Baltoro-Gletscher.


Vor dem Konkordiaplatz
Dann ist der Konkordiaplatz erreicht, Vereinigungspunkt von Baltoro- und Godwin- Austen- Gletscher, Schauplatz von K2 (8611 m), Gasherbrum IV (7925 m), Chogolisa (7665 m) und „unserem Berg“ – dem Broad Peak (8051 m).


Broad Peak 8051m (li) und Gasherbrum IV 7932m
Nach dem letzten Trekkingtag wird das Basislager auf ca. 4900 m eingerichtet und die Bergbesteigung beginnt. Nach dem Ende des Abenteuers und dem Abbau der Lagerkette, wird die viertägige Rückreise über den Gondogoro La, 5650 m, nach Hushe (3050 m) und weiter nach Skardu angetreten. Sollte der Rückweg über den Gondogoro Pass nicht möglich sein, wird mit etwa gleichem Zeitbedarf über die bekannte Aufstiegsroute nach Askole zurückmarschiert. und von dort aus nach Skardu zurückgekehrt.

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Timetable
Vorgesehener Expeditionsablauf 11.6. – 28.7.2011
1. Tag: Hinflug mit Etihad Airlines von München über Abu Dhabi, VAE, nach Islamabad, Pakistan.
2. Tag: Ankunft in Islamabad, 650 m, der modernen Hauptstadt Pakistans. Zu den letzten Vorbereitungen für die Expedition gehört das Briefing bei den Behörden. Wir checken unsere Ausrüstung und sortieren das Gepäck. Nachmittags bleibt noch etwas Zeit für ein kurzes Sightseeing-Programm in den „Twin Cities” Rawalpindi und Islamabad.
3. Tag: Flug nach Skardu, 2300 m, der Provinzhauptstadt Baltistans. Hier sind zwei Hotelübernachtungen eingeplant. 450 Km Fz 2 h
4. Tag: Akklimatisationstag, ein Spaziergang zur Festung Skardu fördert diese. Letzte organisatorische Maßnahmen sind zu treffen.
5. Tag: Mit Jeeps bis Askole, 2950 m, wo das erste Zeltlager errichtet wird. Ab hier übernehmen Träger das schwere Gepäck. 95 Km Fz 5–6 h
6.–11. Tag: Das Trekking ins Basecamp, 4900 m, beginnt gemächlich. Wir marschieren drei Tage lang das Tal des Braldus entlang, über Johla, 3050 m, und Paiju, 3380 m, ehe wir den gewaltigen Eisfluss des Baltoro-Gletschers erreichen. Über steile Moränen und schuttbedeckte Gletscherflächen erreichen wir in weiteren drei Tagen über Urdukas, 4050 m, und Goro II, 4250 m, schließlich den spektakulären Konkordiaplatz auf 4600 Meter Höhe. Ein Stückchen weiter den Godwin-Austen-Gletscher hinauf werden die Zelte für das Basecamp „unseres Berges”, 4900 m, auf der Seitenmoräne errichtet.
Tag1: Johla Hm ↑200 ↓100 Gz 6 h, Tag 2: Paiju Hm ↑350 Gz 6 h, Tag 3: Ruhetag, Tag 4: Urdukas Hm ↑700 Gz 7 h, Tag 5: Goro II Hm ↑200 Gz 5 h, Tag 6: Basecamp Hm ↑650 Gz 7 h
12.–41. Tag: Die Besteigung des Broad Peak, 8051 m, nimmt uns nun für volle 30 Tage in Anspruch. Genug Zeit, um die Akklimatisation zu verbessern und die Hochlagerkette einzurichten. Wir pendeln mehrfach zwischen den drei Hochlagern (C1 6050 m, C2 6900 m, C3 7300 m) bevor wir für den Aufstieg zum Gipfel gerüstet sind. Der größte Teil des Anstiegs führt über den steilen Westgrat und die Westflanke, bis die hochgelegene Scharte zwischen Haupt- und Zentralgipfel des Broad Peaks erreicht ist. Die letzten Meter führen ausgesetzt und zeitaufwändig über den Nord- und Nordwestgrat zum Gipfel.
42.–45. Tag: Das Trekking und die Fahrt zurück nach Skardu erfolgen über den Gondogoro-Pass, 5650 m, in vier Tagen über Ali Camp, 4850 m, Shuspang, 4600 m, und Siacho, 3300 m, nach Hushe, 3050 m. Von dort kann mit dem Jeep weiter nach Skardu gefahren werden. Sollte der Passübergang nicht möglich sein, wird auf der Anmarschroute in vier Tagen über Goro I, 4080 m und Paiju, 3370 m, nach Askole abgestiegen, von dort aus mit dem Jeep weitergefahren.
Tag 1: Ali Camp Hm ↑250 ↓300 Gz 7 h, Tag 2: Shuspang Hm ↑800 ↓1050 Gz 8 h, Tag 3: Siacho Hm ↑50 ↓1350 Gz 5-6 h, Tag 4: Hushe Hm ↓250 Gz 3 h und Skardu Fz 3 h
46. Tag: Rückflug nach Islamabad. Nun freuen wir uns auf ein komfortables Hotel mit den Annehmlichkeiten der Zivilisation. Wenn es mit dem Flug klappt, haben wir noch etwas Zeit in Reserve. Falls alle Stricke reißen, wird per Kfz nach Islamabad gefahren. 450 Km Fz 2 h
47. Tag: Tag in Islamabad für das Debriefing beim Alpine Club und Organisatorisches.
48. Tag: Einchecken zum Rückflug über Abu Dhabi, Ankunft in Frankfurt.