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Lechtaler/Allgäuer Alpen und Tannheimer Berge

Hochvogel (2592 m) WSW-Rinne

Hochvogel (2592 m) mit seiner WSW-Rinne
Durch die WSW-Rinne des Hochvogels, einer der markantesten Berggestalten der Allgäuer Hochalpen, führt eine Steilabfahrt, die sich in Punkto Ambiente mit so manchem Couloir in den Dolomiten messen kann.

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Hochvogel WNW-Rinne mit Routenverlauf (rot) und Abseilstrecken (grün)
Drei kurze Abseilstrecken eröffnen dem Skifahrer diese markante Linie. Die Steilheiten liegen meist homogen um die 40 Grad und übersteigen kaum einmal 45 Grad, dennoch darf der Gesamtanspruch der Unternehmung keinesfalls unterschätzt werden. Die Rinne ist von Eisschlag und Lawinen bedroht, durch verschiedene Wassereisstufen und Wandabbrüche würde ein Sturz in vielen Situationen mit schwerwiegenden Verletzungen oder gar tödlich enden.

Dennoch ist sie für den, der weiß was er tut, und gewillt ist, das damit verbundene Risiko einzugehen, ein kleines Juwel in den Allgäuer/Lechtaler Alpen. Da die Abseilstellen nicht immer einfach zu finden sind, sei die Routenführung nachfolgend näher beschrieben.

Einfahrt ins WSW-Couloir
Vom Gipfel erreicht man den Beginn des Schnees am einfachsten, indem man dem Stahlkabel des Blitzableiters Richtung Westen folgt, an dem man sich auch über die kurze Felsstufe hinab festhalten kann. Bei guter Schneelage lassen sich bereits wenige Meter tiefer die Ski anlegen. Nun folgt man der Mulde in Richtung Wandabbruch tiefer. Achtung bei wenig Schnee (leicht hat man einen der vielen Steine in der Gipfelflanke erwischt) oder starker Windverfrachtung (die exponierte Westflanke ist oft schneebrettgefährdet, ein Mitgerissenwerden hätte hier fatale Auswirkungen). Die markante Felsinsel kann entweder orografisch rechts oder links passiert werden, jedoch sollte man sich im letzteren Falle gleich unterhalb an die Querung (Felsbänder) zurück in den Rinnengrund machen, da unterhalb ein Steilabbruch folgt.

Im oberen Winkel der Verschneidung angelangt, folgt eine unbeschwerte Abfahrtsstrecke durch das Couloir, bis dieses sich verengt. Hier wartet das erste Hindernis (erster roter Kreis), eine schräge Felsplatte, die meist nur unvollständig von Schnee bedeckt ist. In der Regel kann sie aber relativ unschwierig mit den Ski überwunden werden.

Michi Guggemos beim Überwinden der schrägen Felsplatte
Danach folgen viele Meter Abfahrtsvergnügen, bis sich die Rinne abermals verengt und eine weinge Meter hohe Wassereisstufe (zweiter roter Kreis) die Weiterfahrt versperrt. Aus Gründen der leichteren Erreichbarkeit befindet sich bereits etwas höher, orografisch links, an einem Felsvorsprung die erste Abseilstelle (2 Bohrhaken, rote Schlinge). Mit 30-40 m ist die Felsstufe überwunden. Danach geht die Abfahrt weiter, bis sie eine erneute Engstelle mit Wasserfallstufe (dritter roter Kreis) unterbricht. Noch bevor die Engstelle erreicht ist, hält man sich orografisch rechts über ein Schneeband auf eine weite Schneefläche zu und umfährt auf ihr ein paar Felsvorsprünge. Am Rand des Felsabbruchs befindet sich die nächste kurze Abseilstelle (2 Bohrhaken, rote Schlinge) etwas versteckt, zur Wasserfallstufe hin ausgerichtet. An ihrem Ende angelangt, folgt eine kurze Abfahrtsstrecke entfernt, die letzte Hürde der Abfahrt, abermals eine kurze Wasserfalleisstufe (vierter roter Kreis). Bei sehr guter Schneelage kann orografisch rechts ausgequert werden (gestrichelte rote Linie), sonst ist es besser das Seil ein letztes Mal einzusetzen. Auf einem Felskopf, von oben her sichtbar angebracht, befindet sich der dritte Abseilstand (2 Bohrhaken, rote Schlinge). Wiederum bringen einen 30 Abseilmeter an den Fuß der Stufe, von wo aus die Abfahrt bis ins Jochbachtal auf der gängigen Skiroute fortgesetzt werden kann.

Erste Abseilstelle der WSW-Rinne

Für die Unternehmung sollte man mehr als zeitig aufbrechen, Uhr und tageszeitliche Erwärmung stets im Auge behalten. Nach der Abfahrt über die Gipfelflanke lässt sich die Unternehmung noch immer stilvoll, mit ein paar Höhenmetern zu Fuß, über den Normalweg beenden, sollte das zeitliche Limit bereits überschritten sein. Durch seine Exposition ist das Couloir mit zunehmendem Tagesverlauf durch herabfallendes Wassereis, das sich an den, das Couloir umgebenden Wandfluchten bildet, und Nassschneerutsche, die durch die Rinne zentriert werden, gefährdet. Enstsprechendes Können, umsichtiges Verhalten und sichere Verhältnisse müssen für eine Befahrung vorausgesetzt werden. Die Mitnahme von Leichtsteigeisen, Leichtpickel, Helm und Seil (2x50 m Rapline) ist schon teils für den Aufstieg obligatorisch.

Tannheimer Trilogie, Tannheimer Berge

Tannheimer Trilogie
Die Tannheimer Trilogie reiht drei der schönsten Steilrinnen-/flanken-Abfahrten in den Tannheimer Bergen aneinander: Bschießer NO-Rinne, Ponten O-Rinne und Rohnenspitze N-Flanke. Die Gegenanstiege sind jeweils nicht allzu lang, so dass man mit guter Kondition ohne weiteres alle drei Ziele an einem Tag hintereinander schaffen kann.

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Bschießer (2000 m) NO (li.) und NNO-Rinne (re.)
Die Serie beginnt mit der Bschießer NO-Rinne (alternativ kann auch die NNO-Rinne Richtung Zöblen oder die O-Rinne direkt auf den Ponten hin abgefahren werden - die schönste und steilste ist aber sicherlich die NO-Rinne), deren Beginn direkt vom Gipfel des Bschießers aus mit einer kurzen Querfahrt unter der Wechte (oder 50 m auf dem Sommerweg nach N auf dem Grat absteigend) gewonnen werden kann. Der Gipfel wird vom Tourengeherparkplatz in Schattwald über das Stuibental, die alte Stuibenalpe, den Kleinen Bschießer und zuletzt den (meist abgeblasenen) Nordgrat erstiegen. Die Steilheit der Rinne beträgt etwa 45 Grad im oberen Teil, unten wird sie flacher. Im Stuibental angelant, kann man sofort in die Aufstiegsspur zum Ponten springen.

Ponten (2045 m) linke und rechte O-Rinne
Der Ponten ist mit wenigen hundert Höhenmetern Aufstieg bald erreicht, der langgezogene Gratrücken im letzten Teil des Aufstiegs oft abgeblasen und durch dichtes Latschenwerk versperrt, so dass der leichteste Weg häufig zu Fuß über den Sommerweg zum Gipfel führt. Die letzte Einschartung vor dem Gipfelaufbau führt in die linke O-Rinne hinab. Sie ist steiler (oben 50 Grad, unten bald flacher) und schmaler, doch ist der Einstieg häufig etwas schwierig, insbesondere bei geringer Schneelage. Quert man linkerhand (NW) unterhalb des Gipfels bis in die nächste Einschartung, lässt sich die rechte O-Rinne einfacher erreichen. Sie führt etwas gemütlicher (etwas über 40 Grad Steilheit) ins Pontental hinab, wo sich beide Rinnen unterhalb des felsigen Gipfelstocks in den Fußhängen vereinen. Diese bieten noch einmal geniale Abfahrtsmeter bis in den Talboden hinab.

Rohnenspitze (1992 m) mit linker und rechter N-Flanken-Variante
Nach erneutem Auffellen geht es weiter auf die Rohnenspitze, das Zirleseck (1872 m) wird rechts liegengelassen. Im Sattel der Bergwachtshütte müssen in der Regel die Ski auf den Rucksack genommen werden und man folgt dem langgezogenen S-Grat über einige Aufschwünge und Schrofen unschwierig bis zum Gipfel weiter. Vom Gipfelkreuz folgt man der von Norden kommenden Aufstiegsspur des Sommerwegs entweder noch ein paar Meter tiefer (rechte Variante) oder man fährt dem O-Grat entlang durch kleine Rinnen und Mulden etwas ab, bis man in die N-Flanke einfahren kann. Beide Varianten weisen in den steilsten Stücken für ein kurzes Stück etwas über 40 Grad Steilheit auf. Unterhalb der großen Felsinsel führen beide Varianten wieder zusammen. In einem kleinen, flachen Latschenboden sollte man sich links (W) halten und dem Sommerpfad über eine kurze Steilstufe hinab folgen, ehe sich die Vegetation wieder öffnet und einen auf die Fußhänge entlässt. Hier hat man die Wahl zwischen freien Hängen (re.) und der Piste (li.), der man für den kürzesten Rückweg bis nach Zöblen hinab folgt, die Straße überquert und in wenigen Minuten auf der Langlaufloipe bis zum Tourengeherparkplatz zurückskatet.

Namloser Wetterspitze (2553 m), NW-Wand-Rinne, Lechtaler Alpen

Namloser Wetterspitze NW-Wand-Rinne
Die NW-Wand-Rinne der Namloser Wetterspitze bietet mit drei Abseillängen eine spektakuläre Direktabfahrt von diesem beliebten Skitourengipfel über steile, sonnengeschütze Rinnen und faszinierend weite Hänge zum Ochsenboden hinab, ohne dabei zu extrem zu sein.

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Am 18. Februar 2019 vollendeten Bruno Bayer und ich die Abseilstrecke und Skibefahrung der NW-Wand-Rinne nach vorausgehenden Erkundungen, die teils schon viele Jahre zurückliegen.

Um das Couloir zu erreichen, muss man über den Aufbau der Gipfelwand abseilen. Da der Fels sehr geschlossen und plattig ist, die wenigen Köpferl splitterig und brüchig, haben wir uns dazu entschlossen, für eine höhere Sicherheit Abseilstellen einzubohren. Dies rechtfertigt sich unserer Meinung nur, wenn auch mehr davon etwas haben. Aus diesem Grund gibt es untenstehend ein Topo (nicht maßstabsgetreu) dazu.

Namloser Wetterspitze NW-Wand-Rinne
Am Ende der Abseilstrecke angelangt, folgt man ohne größere Hindernisse der weiter und allmählich flacher werdenden Steilrinne (Durchschnittsneigung um die 40 Grad) nach unten, bis diese in die weiten Hänge des Ochsenbodens - das Sahnestück der Abfahrt - ausläuft. Im weitläufigen Becken des Ochsenbodens orientiert man sich direkt nach W hin weiter, bis man an einen Geländeabbruch langt, der von einigen Latschen versteckt wird. Bei guten Verhältnissen kann hier direkt in den folgenden weiten Bachtobel eingefahren werden, bei schlechten sollte man besser orografisch rechts ausweichen und dem Waldrand hinab ins Haupttal folgen. Sobald dieses erreicht ist, muss der Bach überquert werden und einige Meter bis zur Normalroute aufgestiegen werden, auf der weiter nach Fallerschein und zum Parkplatz abgefahren werden kann.

topo

Namloser Wetterspitze (2553 m), O-Schulter, Lechtaler Alpen

Namloser Wetterspitze O-Schulter
Die Linie über die Ostschulter der Namloser Wetterspitze ist sicherlich eine der spektakulärsten Extremabfahrten, die die Lechtaler zu bieten haben. Eine unwahrscheinliche Linienführung, die komplett ohne Abseilen auskommt, die große Exponiertheit und die bezaubernde Landschaftskulisse sorgen für ein einzigartiges Erlebnis. Aber Vorsicht: In der oberen Hälfte der Abfahrt besteht stets Absturzrisiko mit potentiell tödlichen Folgen! Nur gute Skifahrer sollten sich mit entsprechend defensivem Fahrstil und passenden Verhältnissen an sie heranwagen!

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Nach mehreren Befahrungen bei passablen Bedingungen in vorausgehenden Jahren hatten wir - Verena Stitzinger, Markus Hönle, Bruno Bayer und Luis Stitzinger - diesen Februar 2019 endlich das Glück, Idealbedingungen an der Wetterspitze vorzufinden. Daher nahmen wir uns nochmals die Ostschulter vor und erwischten sie diesmal in Powder-Traumverhältnissen. Besonders lohnend (aber auch lang und anspruchsvoll) ist die Abfahrt mit dem landschaftlich schönen Aufstieg über das ostseitige Obernamloskar zu verbinden, da so Ausgangs- und Endpunkt dieselben sind. Nachfolgend sei diese nicht so einfach zu findende Steilabfahrt näher beschrieben.

Blick von der O-Schulter in den großen Hang
Vom Gipfel genau dem Ostgrat ein Stück folgend, zuerst einfach und wenig steil, auf dessen Südseite, und über eine erste kurze Stufe hinweg. Dann wird der Grat schmaler und es folgt eine kurze aber sehr steile Stufe (50-60° je nach Verhältnissen), die nordseitig häufig stark überwechtet ist. Hier schadet es u. U. nicht, mit ein paar Metern Seil sichern zu können. Ein kleiner Felskopf wird leicht nördlich nahe der Gratschneide umfahren (ca. 45°), dann noch ein paar Meter weiter der Gratschneide bis zu einem markanten Felsgendarm folgen, wo man dann in die Steilflanke (oben ca. 45°, dann stetig weniger) einfahren kann. Bei allerbesten Bedingungen kann auch schon vor der Steilstufe (meist zu stark überwechtet) oder unmittelbar danach (jew. gestrichelte rote Linien) in die Steilflanke eingefahren werden. Der nun folgende große Hang der Ostschulter ist zweifellos das Sahnestück der gesamten Abfahrt, bis dieser auf die Treienköpfe hin auszulaufen beginnt.
Namloser Wetterspitze O-Schulter
An dem Punkt, an dem der Grat wieder schmäler wird, werden einige felsige Gratausläufer südseitig umfahren und schon befindet man sich in einer deutlichen Einmuldung auf dem Treiengrat. An der tiefsten Stelle führt eine Steilrinne nordseitig ins Treienkar hinab. Bei wenig Schnee sollte man auf den ersten Metern der Rinne auf verborgene Felsen achten, eventuell ist es sogar vernünftig ein Stück zu Fuß abzusteigen. Bald öffnet sich die Rinne zusehends und die weiten, nordseitig orientierten Hänge versprechen besten Abfahrtsspass bis zum Treiensee hinab. Hier trifft man auf die Skiroute zum Karleskopf (2178 m), der man problemlos bis zum Parkplatz in Namlos zurück folgt.

Die oben beschriebene Abfahrt ist sicherlich nicht das Nonplusultra an Steilheit, doch davon sollte man sich nicht verleiten lassen. Viele Passagen sind sehr exponiert und respekteinflössend. Im oberen Teil der Abfahrt kann schon ein leichter Sturz oder Ausrutscher tödliche Folgen haben, da das Gelände nord- wie südseitig in mehreren hundert Meter hohen Felsabbrüchen endet. Diese Tour sollten wirklich nur Skifahrer mit bestem Können bei den sichersten Verhältnissen ins Auge fassen. Auf die Mitnahme von Leichtsteigeisen, Leichtpickel und ggf. Kurzseil (10-20 m Rapline) sollte nicht verzichtet werden.

Urbeleskarspitze (2632 m), S-Wand und O-Grat, Lechtaler Alpen

Urbeleskarspitze O-Grat und S-Rinne
Die markante Rinne durch die Urbeleskarspitze S-Wand und der anschließende O-Grat bieten eine steile und luftig-ausgesetzte Skiabfahrt von einem der imposantesten Berggestalten der Hornbachgruppe.

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Nach einem vergeblichen Versuch im Winter 2018 zusammen mit Bruno Bayer (Abbruch wegen zu starker Durchfeuchtung) gelang Herbert Ott und mir am 26. Februar 2019 die vollständige Skibefahrung der Linie. Kurze Passagen um die 50° und exponierte Stellen am Grat, tricky Linienführung. Seilsicherung bei der Überwindung einer kurzen felsdurchsetzten Steilstufe (5m, kurz vor dem Gipfel) in der Abfahrt ist ratenswert, eine 20m-Rapline genügt dafür (das Seil kann direkt um einen kleinen Felsgendarm gelegt und nachher abgezogen werden).

Abfahrt durch die S-Rinne
Wiederholer sollten gewillt sein, früh aus den Betten zu steigen, die Abfahrt sollte wegen der reinen Südexposition bei Frühjahrsverhältnissen bereits gegen 11.00 Uhr angetreten werden, der Aufstieg benötigt bei flottem Tempo 5-6 h bis zum Gipfel (Aufstieg wie zur Bretterspitze übers Haglertal und kurze Abfahrt ab der Scharte ins Seekar unter die S-Wand oder direkter Aufstieg ins Seekar ab Haglertalhütte bei genügend Schneeauflage und wenn man weiß, wie´s geht).

Roter Stein (2366 m), N-Rinne, Lechtaler Alpen

Roter Stein mit Nordrinne
Der Rote Stein hat neben seiner sehenswerten, regulären NO-Abfahrt nach Bichlbächle, noch eine großartige, steile und einsame Alternative zu bieten: Die Steilrinne durch die Nordwand des Berges zur Stockacher Alpe hinab.

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Vom Gipfel folgt man dem Sommerweg über die Westschulter ein gutes Stück weit hinab (meist abgeblasen, häufig zu Fuß besser), bis man an einer kleinen Einschartung das erste Mal die Möglichkeit hat, in den oberen Teil der Rinne einzufahren. Oft ist die Einschartung überwechtet, so dass es sinnvoll sein kann, zu Fuss noch etwas weiter abzusteigen, bis man etwas tiefer einqueren kann (gestrichelte Linie). Die Rinne ist zunächst etwa 45-50 Grad steil, wird dann schnell zunehmend weniger geneigt. Einige plattige Felsinseln müssen umfahren werden. Schnell ist die Abfahrt nur noch Genuß bis hinab in einen weitläufigen Almboden.

Roter Stein Nordrinne mit Tiefblick ins Tal
Über eine kurze, leicht ansteigende Querung kann man die Stockacher Alpe (1604 m) auf der Linie des Sommerwegs erreichen, von der aus sich über eine langgezogene Waldschneise nach Kleinstockach abfahren lässt. Unter normalen Umständen ist dies die beste Abfahrtsvariante. Nur bei sehr viel Schnee und sicheren Verhältnissen, macht es Sinn, direkt vom Almboden am orografisch linken Rand in den Bachtobel abzufahren (gestrichelte Linie), der vordergründig den leichtesten Abstieg zu versprechen scheint.

In beiden Fällen muss bei Kleinstockach nochmals der Bach überquert werden, bevor man auf der asphaltierten Fahrstaße ein kurzes Stück bis nach Bichlbächle aufsteigen kann, um das Auto zu holen.

Alpschrofen (2303 m), NW-Wand-Rinne, Lechtaler Alpen

Alpschrofen mit Abfahrtslinie, im Hintergrund die Bleispitze
Der Alpschrofen, ein wenig begangener, unbedeutender Nachbarberg des Roten Steins, ist ein verborgenes Schmuckstück mit einer rassigen Steilabfahrt durch die von weithin sichtbare NW-Rinne.

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Alle Tourengeher streben von Bichlbächle nur einem Ziel entgegen: Dem Roten Stein (2366 m). Dabei ist sein östlicher Nachbar, der Alpschrofen, ein Trabant der Gartner Wand (2377 m), über das Bichlbächler Jöchle genauso leicht erreichbar. Die Abfahrt über ein flottes Couloir und meist unberührte Fußhänge ist besonders bei Pulverschnee ein Genuß und muss sich vor dem Roten Stein nicht zu verstecken.
Tiefblick über das Couloir ins Regall hinab, re. der Nordgrat zur Bichlbächler Alpe hinab
Nach dem Aufstieg über die Skiroute des Roten Steins, in Bichlbächle beginnend, durchs Stockachbachtal, erreicht man den weiten Kessel des Regalls. Hier zweigt man von der Skiroute ab und hält sich im Bereich des Sommerweges zum Bichlbächler Jöchle (1943 m) hinauf. Nun dem W-Grat des Alpschrofens auf seiner S-Seite folgend höher, bis der Vorgipfel des Alpschrofens erreicht ist, d.h. bevor man den markanten N-Grat passiert hat, der zur Bichlbächler Alpe (1606) hinabführt.

Die Einfahrt ins Couloir erfolgt direkt vom Vorgipfel aus, der offensichtlichen Linie folgend. An verschiedenen Felsinseln etwas hin und her, aber die grundsätzliche Orientierung ist immer klar erkennbar. Zuletzt, vor Erreichen des Regalls (großes Kar), wartet noch ein kurzer enger Schlupf, bevor die Fußhänge erreicht sind. Konstant um die 40°, selten steiler, nie extrem, stürzen sollte man wegen des kombinierten Geländes dennoch nicht.

Seelakopf (2368 m) NW-Couloir & Kalter Stein (2145 m) N-Rinne

Seelakopf mit NW-Rinne
Schon lange kein Geheimtipp mehr, doch unverändert lohnend, ist die Kombination aus Seelakopf und Kaltem Stein von Kelmen aus. Ist schon die "normale" Abfahrt vom Seelakopf steil und rasssig, trifft das umso mehr auf seine NW-Rinne zu. Mit wenigen hundert Metern Aufstieg kann man anschließend den Kalten Stein daran anschließen und erhält als Belohnung eine weitere schöne N-Rinne zum Abfahren.

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Von Kelmen aus folgt man der normalen Skiroute ins Kelmer Kar hinauf. Dort geht es dann mit vielen Serpentinen über den steilen N-/NW-Hang zum Gipfelgrat des Seelakopfs hinauf. Bei guter Schneelage läßt sich leicht südlich der Gratschneide weiter mit Ski bis zum Gipfel aufsteigen. Kurz vor dem Gipfelaufbau passiert man den Trichter der markanten NW-Rinne, die von hier aus ins Kelmer Kar hinabzieht. Die Einfahrt ist unkompliziert und mit zwei kurzen Steilstufen lässt sich die Rinne (Durchschnittsneigung um die 40 Grad) ohne größere Hindernisse bis zu ihren Fußhängen meistern.

Kalter Stein N-Rinne
Wieder im Kelmer Karboden angelangt, folgt man der regulären Aufstiegsroute in lediglich 300 Hm auf den Kalten Stein. Vom Gipfel folgt man dem NW-Grat etwas tiefer, bis man in eine erste Einschartung gelangt, von der aus man in die Rinne einfahren kann. Bei viel Schnee oder stärkerer Überwechtung kann es sinnvoll sein, dem Grat ein paar Meter weiter zu folgen, bis man vor einer kleinen Schulter etwas flacher in die Rinne einfahren kann. Über die Rinne (Einfahrt kurz um die 50 Grad, dann bald flacher) zu deren Fußhängen hinab und dann ostwärts einem tief eingeschnittenen Bachlauf hinab ins Aufstiegstälchen des Karbachs folgen. Von hier auf der normalen Abfahrtsroute nach Kelmen zurück.

Achtung: Bei diesen Unternehmungen handelt es sich um anspruchsvolle skialpinistische Unterfangen. Entsprechende Erfahrung, Können sowie eine kompetente Beurteilung der Schnee- und Lawinenverhältnisse müssen für eine Befahrung unbedingt vorausgesetzt werden. Eine Nachahmung wird weder angeregt noch empfohlen und findet allein auf eigene Verantwortung statt!