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Dienstag 20. - Montag 26.5.: Erneuter Gipfelversuch
Vom 29.05.14

© by www.goclimbamountain.de
Alix und Luis vor dem erneuten Gipfelversuch am 25. Mai.

Der Wetterbericht versprach uns fuer den 24.-26. Mai ein geeignetes Fenster fuer einen neuerlichen Gipfelversuch. Wir hatten uns in den drei Ruhetagen seit unserer Rueckkehr gut erholt und fuehlten uns fit fuer eine neue Runde. Auch viele andere Bergsteiger setzten ihre Hoffnung in dieses Wetterfenster. So wollten auch unsere spanischen Freunde endlich aufbrechen, die Gruppe von Himex, unser alter Freund Chris Warner mit seinen Kollegen, und einige andere. Taeglich wurden die Wettervorhersagen verglichen, ehe es dann am 25. losging. Bei schoenem aber windigem Wetter stiegen wir abermals zu C2 auf. Der Gletscher war in den vergangenen Tagen weier ausgeapert doch noch immer problemlos zu begehen. Nach einer stuermischen Nacht machten wir uns andernstags an die zaehe Etappe nach C3, nachdem wir die Sonne abgewartet hatten. Rasch war es so warm, dass wir Teile unserer Daunenmontur ablegen konnten. Der Aufstieg durch das kombinierte Gelaende der steilen Rampe war nach wie vor anstrengend und fordernd, doch wir waren, wie auch schon am Vortag, gut unterwegs und eine gute Stunde schneller, als bei unseren vorhergehenden Aufstiegen. Anscheinend hatte unser Fehlversuch zumindest das Gute an sich, dass sich unsere Hoehenanpassung weiter verbessert hatte. Im Makalu La angekommen, begruesste uns sogleich ein steifer Wind, so dass wir uns schnell daran machten, unser deponiertes Zelt aufzustellen und zu beziehen. Nachdem wir ausreichend Wasser geschmolzen und zu Abend gegessen hatten, verzogen wir uns schon bald in die Schlafsaecke.

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Alix hoch am Makalu unterwegs, mit Lhotse Shar, Mt. Everest und restlichem Solu Khumbu im Hintergrund.

Der naechste Morgen weckte uns mit stuermischem Wind und hoher Bewoelkung. Zu unserer Ueberraschung fing es schon bald darauf leicht zu schneien an. Nachdem sich das Wetter etwas beruhigt hatte, brachen wir mit unseren sieben Sachen zum letzten Hochlager, C4, auf. Auch den anderen Bergsteiern war die Verunsicherung durch das seltsame Wetter anzumerken. Dennoch begaben sich nach und nach alle in die Startbloecke fuer die Gipfeletappe. Die kurze Strecke war schnell zurueckgelegt und wir hatten den gesamten Resttag, um uns fuer den Gipfeltag vorzubereiten. Um 24.00 Uhr wollten wir aufbrechen, um etwas Abstand zu den groesseren Gruppen zu haben (21.00 und 22.00 Uhr) und nicht in den Stau an den Fixseilen zu geraten. Ausser uns und den Spaniern waren saemtliche Bergsteiger mit kuenstlichem Sauerstoff unterwegs und taten sich demenstprechend leichter, die kalten Temperaturen der Nachtsstunden zu ertragen. Als es schliesslich so weit war, strichen noch immer starke Windboen (ca. 60 km/h) um das Zelt herum. Doch denselben Fehler - zu spaet aufzubrechen - wollten wir nicht noch einmal begehen und machten uns trotz eines unguten Gefuehls auf den Weg. Schon bald wurde uns in den Fusshaengen zum grossen Serac zu kalt an den Haenden und wir mussten auf die dicken Expeditionsfaeustlinge umsteigen. Dazu konnten wir nur kurz anhalten, da es uns schlagartig auch an Fuessen und anderen Stellen zu kalt wurde. Rasch setzten wir unserern Weg fort und hatten schon bald darauf den Haengegletscher erreicht. Alix plagte schon seit Tagen wieder intensiver Hoehenhusten. So auch an diesem Tag, bei der extrem kalten und trockenen Luft auf ueber 7500 Metern. Nach einer starken Hustenattacke meinte Alix auf einmal: "Irgendetwas stimmt nicht, ich bekomme kaum mehr Luft!". Auch nach ein paar Minuten hatte sich an dem Zustand wenig veraendert. Noch einmal versuchten wir, den Aufstieg weiter fortzusetzen, doch Alix' Sauerstoffaufnahmefaehigkeit hatte sich dramatisch verschlechtert und damit auch ihre Koerperwaerme. Sie drohte in die Hypothermie abzugleiten. Schlagartig war uns beiden klar: Das war das Ende! Noch vor Stunden waren wir so zuversichtlich, dieses Mal den Gipfel zu erreichen und nun das. Lange Zeit zu zaudern hatten wir nicht, dazu war es zu kalt. Also machten wir uns niedergeschlagen auf den Rueckweg zum Hochlager. Kurze Zeit spaeter begegneten wir unseren spanischen Freunden Richard und Eva, die kurz nach uns zum Gipfelangiff angetreten waren. Sie merkten uns deutlich die Enttaeuschung an - aber auch, dass etwas nicht stimmte. Eine halbe Stunde spaeter sollten auch sie wegen der grossen Kaelte umkehren. Zurueck im Zelt machten wir uns sofort daran, Alix gesundheitliche Situation zu verbessern und sie aufzuwaermen. Hatte ihre Sauerstoffsaettigung am Abend zuvor noch 78% betragen, lag sie nun bei 52%. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte sie eine Hoehenlungenoedem erlitten. Zum Glueck hatten wir alle Medikamente und Notfallsauerstoff zur Verfuegung, so dass wir sofort mit der Behandlung beginnen konnten.

© by www.goclimbamountain.de
Der Stoff um den sich alles dreht - der Sauerstoff. Hier ist er reichlich vorhanden, nachdem Sherpas ihn hinaufgetragen haben.

Nachdem wir einige Stunden bis nach Sonnenaufgang abgewartet hatten, packten wir zusammen um so rasch wie moeglich in tiefere Lagen zu gelangen. In diesem Moment kehrten die ersten Gipfelgaenger mit kuenstlichem Sauerstoff ins Lager zurueck. Die gesamte Gruppe von Russel Bryce hatte den Gipfel nach 7-8 Gehstunden erreichen koennen. Das war beinahe die Haelfte von der starken Aufstiegszeit von Florian vom 17.5. Kein einziger Bergsteiger hatte an diesem Tag dagegen den Gipfel ohne die Zuhilfenahme von kuenstlichem Sauerstoff erreichen koennen. Kuenstlicher Sauerstoff reduziert nicht nur die Hoehe um ca. 1500 Meter und macht dadurch leistungsfaehiger sondern sorgt auch fuer mehr Waerme im Koerper. Zusammen machten wir uns an den Abstieg ueber den Makalu La in Richtung C2. Schon bald war uns klar, ohne Sauerstoff wuerde Alix nicht weit kommen. Zu schnell hatte sich ihr gesundheitlicher Zustand und ihre Leistungsfaehigkeit verschlechtert. Mit einer Flasche Sauerstoff, auf 4 l/min aufgedreht, versehen, konnte sie nun aus erster Hand den Unterschied kennenlernen. Der Unterschied war unleugenbar, der Sauerstoff gab ihr die noetige Kraft, die schwierige Etappe zu C2 sicher zu bewaeltigen. Doch da war unser Weg noch nicht zu Ende. Noch weiter, ganz bis ins BC wollten wir an diesem Tag absteigen, um das Lungenoedem ganz aus dem Spiel nehmen zu koennen. Flo kam uns vom Basislager aus entgegen und nahm uns Gepaeck ab. Gegen 17.00 Uhr erreichten wir das zweite Hochlager und stiegen nach einer kurzen Ruhepause weiter ab. Bei Anbruch der Dunkelheit erreichten wir den Steigeisenplatz und liessen einiges Gepaeck zureuck, um es am folgenden Tag zu bergen. Am Ende unserer Kraefte erreihten wir schliesslich gegen 22.00 Uhr das Basislager, wo wir bereits sehnsuechtig erwartet wurden. Eine gruendliche Kontrolle des Basislagerarztes Jo ergab, dass sich Alix nicht nur ein Hoehenlungenoedem zugezogen hatte sondern gleichzeitig an einer Lungenentzuendung litt. Kein Wunder, dass sie keine Luft mehr bekommen hatte! Trotz der Enttaeuschung um das jaehe Ende waren wir Gott froh, wieder sicher im Basislager zu sein und alle Mittel fuer eine sichere Behandlung zu haben. Der Abstieg war eine wahre Odysee gewesen, die nun ihr Ende gefunden hatte.


• Kategorie: Makalu 2014
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