» Jetzt erhältlich

Unser Buch "Leidenschaft fürs Leben - Gemeinsam auf die höchsten Berge der Welt"

Leidenschaft fürs Leben - Gemeinsam auf die höchsten Berge der Welt


»Expeditionstagebücher

Die aktuellsten Einträge:

• Mount Everest 2015

08.05.15 - Freitag, 8.5.: Wieder daheim - aber die Not geht weiter
Nach einer kleinen Odyssee über Lhasa, Chengdu, Peking, Frankfurt und München langten wir.....
»Tagebucheintrag lesen

• Mount Everest 2015

29.04.15 - Mittwoch, 29.4.: Die Tage danach
In den Nachrichten haben wieder andere Themen das große Erdbeben als Top News abgelö.....
»Tagebucheintrag lesen

• Mount Everest 2015

27.04.15 - Montag 27.4.: Abbruch der Expedition
Angesichts der größten humanitären Katastrophe der jüngeren Geschichte Nepal.....
»Tagebucheintrag lesen

• Mount Everest 2015

26.04.15 - Sonntag 26.4.: Der Tag nach dem Beben
Gestern ein Schock, heute das Thema aller Nachrichten: Das große Erdbeben, das sich gestern.....
»Tagebucheintrag lesen

Goclimbamountain goes facebook Goclimbamountain on Instagram


powered by...

Partner - Marmot
Partner - Globetrotter
Partner - Lowa
Partner - Deuter
Partner - Leki
Partner - Camp
Partner - Dynafit
Partner - Adidas Eyewear
Partner - K2 Skis
Partner - Jacques Lemans
Partner - Ortovox
Partner - Lyo Food
Partner - Die Kreativalm

Tagebucheinträge

......unserer Projekte und Expeditionen



Sonntag 28.4. – Mittwoch 1.5. – Gipfelangriff
Vom 02.05.13

© by www.goclimbamountain.de

7.00 Uhr geht es vom Basislager nach dem Frühstück los. Ein eisiger Wind bläst vom Berg durch das Tal hinab, wir sind in Daunenjacke und Überhose gekleidet. Wenigstens sind die Schneefelder dadurch pickelhart gefroren und kommen schnell voran. Im Depotzelt vor der Gletscherquerung lassen wir unsere Trekkingschuhe zurück uns rüsten auf Tourenski um. Mit diesen geht es mühelos durch den Bruch bis auf die andere Seite. Durch den frischen Wind ist die Hitze im ersten Steilhang zum C1 hinauf nicht so drückend wie beim letzten Mal und wir erreichen das erste Hochlager, 6300 m,  in guter physischer Verfassung. Etwas höher müssen wir noch steigen, um unser etwas höher gelegenes Hochlager, 6450 m, in 5.45 Stunden zu erreichen. Die Zelte haben den starken Wind der letzten Tage gut überstanden und stehen ohne Beschädigung da, wie wir sie verlassen haben. Schnell haben wir uns eingerichtet, schmelzen Wasser und erholen uns für den nächsten Tag.

© by www.goclimbamountain.de

Wie üblich weckt uns kurz nach sechs Uhr die Sonne von selbst. Nach einem Frühstück mit Müsli, Kaffee und Tee packen wir unsere sieben Sachen. 8.00 Uhr verlassen wir unser Lager und marschieren angeseilt auf Ski zum Fuß der zweiten Steilstufe. Der Kessel ist stark spaltendurchsetzt und eine trügerisch dünne Schneedecke verbirgt diese vor unseren Blicken. In 3 Stunden haben wir den Steilhang bis zu unserem C2, 6850 m, überwunden. Nach einer kurzen Pause packen wir das flach gelegte Zelt und unsere verstaute Ausrüstung zusammen und verschieben unser Lager in 2,5 Stunden Gehzeit durch den „Korridor“ bis 7100 m an den Fuß des Aufstiegscouloirs zum dritten Hochlager, C3 7300 m. Das dritte Hochlager werden wir nicht nutzen, da es äußerst windexponiert am Grat liegt und der Transport der gesamten Lagerausrüstung durch das steile Couloir sehr kraftaufwendig ist. Der Wind pfeift durch den „Korridor“, das vergletscherte Hochtal, das von einem Seitengrat und der gewaltigen Nordwand des Gipfels eingerahmt wird. In unserem geräumigen  Zelt, in dem wir zu dritt übernachten, fühlen wir uns aber geschützt und geborgen. Rasch machen wir uns daran, möglichst viel Wasser zu schmelzen und viel zu trinken und zu essen. Nach und nach treffen auch die Teilnehmer der Seven Summits Treks Expedition ein: Tunc, Santiago, Alex, Dawa, Mingma, Lama. Auch sie lagern neben uns auf 7100 m und steigen nicht mehr auf C3 auf. Mit ihnen vereinbaren wir, zusammen am nächsten Morgen um 1.30 Uhr aufzubrechen. Es sind nur wenigen Tage nach Vollmond, so ist die Nacht klar und hell. Zeitig begeben wir uns zu Bett, die Nacht wird kurz und mit der Anspannung vor dem Gipfelgang nur mit leichtem Schlaf gesegnet sein.

© by www.goclimbamountain.de

Um Mitternacht klingelt der Wecker unbarmherzig, Zeit aufzustehen. Wir nehmen ein leichtes Frühstück mit Knäckebrot und Kaffee/Tee ein, bevor wir uns vollständig ankleiden. Wir haben bereits mit unseren Daunenanzügen bekleidet in unseren leichten Schlafsäcken übernachtet, doch das Anziehen von Schuhen, Klettergurten, Steigeisen, usw. nimmt nochmals viel Zeit in Anspruch. Zu dritt in einem Zelt kann nur einer wirklich agieren, die anderen beiden müssen in der Zwischenzeit geduldig in ihren Schlafsäcken ausharren. Nachdem wir sehen, dass sich auch die anderen verspäten, bereiten wir uns in aller Ruhe vor und stehen 2.15 Uhr abmarschbereit vor unserem Zelt. Hinter den anderen her marschieren wir die wenigen Schritte bis zum Fuß des großen Eiscouloirs, das zum Hochlager 3 hinaufführt. Über Schnee und Blankeis steilt das Couloir immer mehr auf und erreicht 40-45 Grad Neigung. Ohne Fixseil steigen wir mit dem Pickel bis ca. 7250 m auf, von wo eine lange Querung nach links bis zu einem markanten Felskopf ansetzt, auf dem sich C3 (off. 7300 m, nach unserem GPS 7450 m) befindet. Als wir den exponierten Lagerplatz erreichen, auf dem einige vom Sturm zerfetzte Zeltleichen stehen, wird es dämmrig und der Horizont im Osten hüllt sich malerisch in orange- und rotfarbene Töne. Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem Becher aus der Thermoskanne machen wir uns an die lange Querung durch die Gipfelflanke. Wir haben alle entschieden, anstelle der Normalroute auf den Zentralgipfel, die Inaki-Variante durch die NO-Wand des Gipfels zum Hauptgipfel, 8027 m, zu versuchen. Die lange Querung führt über durchschnittlich 35 Grad steile Schneehänge von C3 Richtung Osten oberhalb einiger Gletscherbrüche durch die parabolspiegelartig gewölbte Gipfelwand zum Ostgrat hinüber. Kurz bevor dieser erreicht ist, steigen wir über eine Schnee-/Eisrinne durch die Flanke weiter auf. Die Steilheit erreicht zu Zeiten 50 Grad und das Höherkommen durch den mal knietiefen Schnee, das mal pickelharte blaue Wassereis, gestaltet sich zunehmend mühsamer. Mittlerweile steht die Sonne hoch am Himmel, das Wetter ist traumhaft und wie von Charly Gabl vorhergesagt, ein idealer Gipfeltag. Nach der Rinne steigen wir nach links auf geneigte, vom Wind hart geblasene Schneeflanken aus, die stetig zum Hauptgipfel hinaufleiten. 11.30 Uhr erreichen wir eine weite Einsattelung vor dem exponierten Gipfelgrat. Kurz davor nimmt der Wind aus NO jäh zu und die Böen erreichen Geschwindigkeiten, die uns ein paar Mal regelrecht von den Füßen heben.

© by www.goclimbamountain.de

Ein Sherpa der anderen Truppe befindet sich auch im Sattel und teilt uns mit, dass ihr Leiter und ein Teilnehmer momentan den Aufstieg über den exponierten Gipfelgrat versuchen, doch der Fortschritt durch die seit einer Stunde anhaltenden Windspitzen äußerst gering sei und damit gerechnet werden müsse, dass ein Aufstieg auf den Gipfel zu gefährlich sei. Wir warten eine halbe Stunde ab, bis sich der Wind abrupt zu legen scheint, seilen uns am kurzen Seil an und versuchen unser Glück. Auch andere Bergsteiger von Seven Summit Treks sowie Rupert, der den Gipfelaufbau einige Zeit vor uns erreicht hatte, nutzen ihre Chance. Über einen messerscharfen Schneegrat erreichen wir eine Art Vorgipfel. Zuvor haben wir unsere Ski an einer sicheren Stelle tief in den Schnee eingerammt, so dass sie der Sturm nicht hinfort reißen kann. Gerade an der schmalsten Stelle des Grates kommen uns die absteigenden Bergsteiger entgegen, so dass wir in die steile SO-Flanke ausweichen müssen, wollen wir nicht lange stehen und warten. Beim Passieren gratulieren wir uns gegenseitig zum Gipfelerfolg nach dem wider Erwarten fordernden Aufstieg und extremen Wetterbedingungen zu guter Letzt. Der kurze aber immer noch sehr exponierte Verbindungsgrat zum Hauptgipfel ist schnell überwunden, dann sitzen wir alleine auf dem spitzen Horn des Shishapangma-Hauptgipfels. 13.30 Uhr und 8027 m Höhe (off. Vermessung 8027 m) zeigt unsere Garmin Fenix Uhr exakt an, höher geht es nicht mehr.  Wir sind glücklich und freuen uns über die tolle Aussicht über die tibetische Hochebene und das Himalaya-Gebirge.

© by www.goclimbamountain.de

Von Mt. Everest, über Lhotse, Nuptse bis zum Cho Oyu sind trotz Quellwolken noch viele Gipfel zu sehen. Nach dem dramatischen Finale mit den orkanartigen Sturmspitzen hätten wir mit einem solchen Ausgang der Expedition schon fast nicht mehr gerechnet. Eine halbe Stunde verbringen wir am Gipfel, dann machen wir uns langsam wieder an den Abstieg. Auf dem Weg begegnet uns plötzlich Alex aus Rumänien, ein Teilnehmer der anderen Gruppe. Alle seine Kameraden und auch sein Personal Climbing Sherpa sind bereits lang abgestiegen, nur er befindet sich noch immer im Aufstieg. Auch bei uns weigert er sich hartnäckig, mit uns abzusteigen. Er will unbedingt den Gipfel erreichen, auch wenn dies bedeutet, mutterseelenallein absteigen zu müssen. Zudem geht es ihm nicht besonders, er ist bereits sehr erschöpft und entkräftet. Wir können uns keine weitere Verzögerung im eigenen Zeitplan leisten und steigen mit einem schlechten Gefühl weiter ab. Am Skidepot werden die Steigeisen gegen die Ski eingetauscht, Alix steigt inzwischen zu Fuß mit den anderen Bergsteigern Richtung Lager 3 ab. Der Wind hat sich nachmittags wieder etwas gelegt und die Bedingungen sehen wieder besser aus, doch die Flanken sind durch die starken Winde der letzten Tage bretthart oder sogar blank gefegt. Keine idealen Skiverhältnisse. Dennoch gelingt die Abfahrt gut. Auf halber Strecke bemerke ich, dass eine kleine Fixierschraube bei einem Bindungshinterbacken verloren gegangen ist und die Fixierung des Hinterbackens deshalb nicht mehr hält. In dem Steilgelände kein Spass. Mit etwas Improvisation hält dann die Fixierung doch wieder und die Abfahrt kann fortgesetzt werden. Nach 3 Stunden haben wir alle wieder unser Lager auf 7100 m erreicht. Rupert ist sogar schon weiter Richtung Lager 1 abgefahren, da er gerne am selben Tag noch das Basislager erreichen möchte. Das ist uns zu stressig, wir werden nochmals eine Nacht in unserem vorgeschobenen C2 verbringen und anderntags vollends in Basislager absteigen. Erschöpft und erfüllt kriechen wir in die warmen Schlafsäcke und schon bald fallen uns die Augen zu. Noch immer keine Spur von Alex, dem Sologänger, für den eine lange, eisige Nacht am Berg anbrechen wird. Die Gedanken an ihn verfolgen uns bis in den Schlaf.

© by www.goclimbamountain.de

Am nächsten Morgen frühstücken wir kurz und bündig mit einer Tasse Kaffee und graben dann unser tief im Schnee begrabenes Zelt aus. Die Rucksäcke mit all unserer Ausrüstung stapeln sich zu kleinen Bergen auf. Uns graut vor dem bevorstehenden, langen Abstieg. Wenigstens die Ski erleichtern uns die Plackerei etwas. Der Wind hat stark zugenommen, Spindrift schlängelt sich über den Gletscher. Immer wieder müssen wir anhalten, da wir die Bodenkonturen nicht mehr erkennen können. Spätmittags erreichen wir das Depotzelt vor der Gletscherquerung und ziehen unsere Trekkingschuhe an. Die Rucksäcke werden dadurch nicht leichter, da sie nun auch noch die Skiausrüstung aufnehmen müssen. An der Moräne entlang folgen wir dem immer schlechter werdenden Weg zum Basislager hinab. Mittlerweile haben sich mehrere Schmelzwasserseen gebildet, die zur Umgehung längerer Passagen zwingen. Um 17.00 Uhr kommen wir bei beginnendem Schneetreiben im Basislager an und werden von unseren „Mitbewohnern“ herzlich empfangen. Sie waren am heutigen Tag auch von C2 ins ABC abgestiegen, hatten am gestrigen Tag den Gipfelversuch mit dem Fernglas mitverfolgt. Die ganze Expedition hat wirklich wie am Schnürchen geklappt, kein Tag des Wartens wegen schlechtem Wetters oder anderer Verzögerungen. Lediglich 25 Tage sind seit Expeditionsbeginn, 12 Tage seit unserer Ankunft im ABC vergangen. Angeblich wurde der sie Shisha Pangma noch nie vor Mai (mit Ausnahme der Winter-Begehung Morós und Morawskís) bestiegen. Wir schätzen uns glücklich, so schnell und komplikationslos zum Zuge gekommen zu sein. Sogar Alex ist wieder aufgetaucht, nachdem er eine Biwaknacht auf 7600 m verbracht hatte. Was ihm an gesundheitlichen Schaden blüht, bleibt noch abzuwarten. Aber zumindest hat er überlebt, was schon niemand mehr zu hoffen gewagt hatte. Morgen wird er ins Basislager hinab begleitet werden. Damit schließt sich für heute ein weiteres Kapitel des Expeditionstagebuchs Shisha Pangma mit einem Happy End für alle Beteiligten. Wir danken allen fürs Daumen-drücken und Mitfiebern. Anscheinend hat es nicht nur uns sondern auch allen anderen Gipfelaspiranten inklusive Alex eine sichere Rückkehr beschert, das freut uns insbesondere und dafür möchten wir uns herzlich bedanken! In den nächsten Tagen werden wir uns an die Rückreise nach Kathmandu machen und von dort versuchen, den nächstmöglichen Flug nach Hause zu ergattern. Wir freuen uns auf die Heimat und hoffen, bis Mitte Mai wieder zurück in Deutschland zu sein. Bis dahin sagen wir "Pfiat eich" und "bis zum nächsten Mal!". Alix & Luis

© by www.goclimbamountain.de

 

 


• Kategorie: Shisha Pangma 2013
• Hits: 6854